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Über uns
Die Freie Waldorfschule ist eine öffentliche Schule in Trägerschaft der Eltern. Die über 200 Waldorfschulen in Deutschland arbeiten weltweit gemeinsam auf Grundlage des von Dr. Rudolf Steiner bereits 1919 entworfenen Rahmenlehrplanes. Das Verbinden eines Lernens mit Kopf, Herz und Hand war ihm dabei ein besonderes Anliegen. Jede Waldorfschule ist für ihren Lehrplan selbst verantwortlich und gestaltet diesen durch ihr Lehrerkollegium in Zusammenarbeit den Eltern entsprechend den jeweiligen regionalen sozialen und kulturellen Einbindungen selbst.
Die Freie Waldorfschule Evinghausen entstand aus der Initiative der Bewohner des Dorfes Evinghausen, als im Rahmen der „Schulreform“ Ende der 60er Jahre die Dorfschule geschlossen werden musste. (s. Schulgeschichte) Heute hat die Schule über doppelt so viele Schüler wie Evinghausen Einwohner. Die Schüler kommen aus dem gesamten Landkreis Osnabrück, die Verbundenheit zu unserem kleinen Dorf ist jedoch nach wie groß.
Dieses Eingebettetsein mit der uns umgebenden land- und forstwirtschaftlichen Umgebung ist Ausgangspunkt für unser Bemühen, Schülern aller Altersstufen ein Verständnis für die Natur zu vermitteln.
Der Bildungsansatz beruht (wie übrigens in fast allen reformpädagogischen Schulen) in erster Linie darauf, die Schüler nicht über die Natur zu belehren, sondern sie zu einem nachhaltigen Naturverständnis über das lebendige Erleben zu führen. Je nach Altersstufe der Schüler ist deren Zugang unterschiedlich.
Nachdem wir in den vergangenen Jahren all unsere Projektaktivitäten dokumentiert haben (siehe unsere Zwischenberichte) befinden wir uns nun in der Phase der Auswertungen. Die nach Klassenstufen sortierten pädagogischen Maßnahmen werden gegenwärtig von den Stufenkonferenzen begutachtet, inwieweit sie jeweils "nur" empfohlen oder künftig für alle Klassen verbindlich sein sollen. Außerdem wird beurteilt, ob und wenn ja, welche Handreichungen dazu zusammengetragen werden müssen. Als Resultat soll dann ein schulisches Curriculum zur Nachhaltigkeit für die Klassen 1 bis 12 zusammengetragen werden, das im nächsten Schuljahr 2010 / 2011 in Kraft treten wird.
Allgemein stellt sich unser waldorfspezifischer Zugang zu Nachhaltigkeit und Ökologie wie folgt dar:
Waldorfpädagogik und Ökologie
Gibt es ein ökologisches Konzept der Waldorfpädagogik?
Als Rudolf Steiner in den 1920ern die Waldorfpädagogik begründete, steckte die Wissenschaft der Ökologie noch in den allerersten Kinderschuhen und es sollte noch ein halbes Jahrhundert vergehen, bis in den siebziger Jahren ökologisches Wissen und Denken in den Unterricht der Schulen allgemein einfloss. In den fünfziger Jahren hatten zwar bereits einige Wissenschaftler vor der drohenden großen Umweltkatastrophe gewarnt, allen voran Rachel Carson mit ihrem „Stummen Frühling“, doch bis diese Botschaft aber in den Köpfen der Öffentlichkeit angekommen war, brauchte es eine neue Partei und ein Vierteljahrhundert Zeit. Dann endlich war Umweltschutz in aller Munde und kein Politiker kann es sich seither mehr leisten, nicht umweltgerecht zu entscheiden. Hinzu kam noch vor etwa einem Jahrzehnt der Begriff der Nachhaltigkeit, mit dem ein zukunftsorientiertes Denken und Handeln unter Berücksichtigung ökologischer Gesetzmäßigkeiten gemeint ist.
Die Ökologie wurde einmal als die „Lehre vom Haushalt der Natur“ definiert. Dass indes der eigene Haushalt, auch die Haushaltskasse, ebenso wie der Staatshaushalt genauso be- und getroffen wird, wenn dieser Naturhaushalt nicht rund läuft, dass haben jüngste ökonomische Berechnungen deutlich gemacht: Was kostet es, wenn Pflanzen aussterben, Bestäuberinsekten nicht mehr ihre Arbeit tun oder Mangroven die tropischen Küsten nicht mehr befestigen? Kosten in der Größenordnung von mehreren Hundert Milliarden Euro fallen da an. Diese Botschaft erreicht jetzt auch die Menschen, bei denen der Begriff der Artenvielfalt alleine kein Echo hervorruft.
Und die Pädagogik in diesem Umfeld? Heutige Schüler kennen das Thema und es macht ihnen Angst – es ist, anders noch als vor 30 Jahren, allgegenwärtig in den Medien und in den Katastrophenszenarien der Kinos. Damals ist den Schülern zwar schon viel erzählt worden über Umweltschutz, doch führte das nur manchmal, aber nicht verlässlich zu einem nachhaltigen Handeln, zu Engagement in Umweltverbänden, zu Protest. Oft lernten sie statt dessen einerseits sehr wohl, dass Getränkedosen nicht einfach weggeworfen werden dürfen und taten es andererseits aus Bequemlichkeit dann doch, ebenso wie allgemein schon bekannt war, dass Batterien nicht in den Müll gehören, man trotzdem immer wieder die Walkman-Batterien im Klassenpapierkorb finden konnte. Einsicht und entsprechendes Handeln sind ganz offensichtlich zwei sehr wohl zu unterscheidende Dinge.
Rainer Trapp1 hat aus der Sicht der analytischen Philosophie überzeugende Belege gefunden, dass alle ethischen Entscheidungen am Ende aller rationalen Begründungsversuche letztlich auf individuellen Präferenzen beruhen. Die Vorerfahrungen des Entscheiders stehen ihm im Alltag parallel zu seinen Überlegungen des Entscheidens in Form emotionaler Empfindungen ganz unmittelbar zur Verfügung. Ohne sie, also beispielsweise im Falle von Hirnschädigungen auf ihre blanke Rationalität zurückgeworfen, sind Menschen in den komplexen Situationen des Alltags unfähig, sowohl hinreichend schnell zu entscheiden, als auch eine Unterbrechungen überdauernde Konzentration auf ein übergeordnetes Ziel aufrecht zu erhalten. Diese wichtige kognitive Funktion der Emotionen und ihre essentielle Bedeutung für vernünftiges Handeln ist spätestens seit Antonio Damasios Theorie der somatischen Marker2 in den Wissenschaften erkannt worden.
Wie aber lassen sich nun in der Pädagogik Einstellungen entwickeln, die zu einem Zusammenschluss dieser oftmals auseinander klaffenden Bereiche Einsicht und Alltagshandlung führen? Das geht nicht aus der kognitiven Bearbeitung der unmittelbar auftretenden Problemstellung heraus, sondern muss sehr lange vorher ansetzen:
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Verantwortungs- und Mitgefühl müssen als Seelengesten angelegt sein.
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Verständnis für Notwendigkeiten und das Empfinden, sich selbst als Teil des Ganzen der Natur zu erleben, sind Voraussetzungen.
Schon sehr früh muss diese Art von Umweltpädagogik einsetzen, bereits in den ersten Lebensjahren, spätestens aber in den ersten Klassen. Das aktive Zuwenden zur Natur, stets auf der emotional-sinnlichen Ebene kann die Basis bilden für das spätere verantwortungsvolle Handeln aus Einsicht. „Wahrnehmung, Freude haben, interessiert sein, praktizieren, bejahen, gutheißen“, zählt Holger Baumann (Waldorflehrer in Oberberg) die notwendigen Grundlagen auf, die zu einer Erziehung zu einem Umweltbewusstsein führen können.3
Neben den notwendigen Naturerfahrungen in diesem Alter lernen die Kinder bereitwillig und begeistert, für ihre Lebenswelt Verantwortung zu übernehmen, wenn sie Dienste im Klassenzimmer übernehmen, oder Müll auf dem Schulgelände aufsammeln. Auch die Schulung eines ästhetischen Empfindens in diesem Alter hilft dem Menschen, sich in seiner Umwelt sinnvoll zu orientieren, Schönes zu erkennen und zu bewahren.4 Später kommen dann „beobachten und untersuchen“ hinzu, schließlich wird in der Oberstufe die Urteilskraft des einzelnen Schülers gefordert.
Nicht Wissen allein, nicht die Datenreihen, Graphen und die Messlatte der Katastrophen schaffen Verantwortungsbereitschaft. Walter Baumann formuliert das in direktem Bezug auf Rachel Carsons Aussage,
„Wenn Faktenwissen die Saat darstellt, aus der später Einsicht und Erkenntnis reifen, dann sind die Empfindungen, die Gefühle und die Sinneseindrücke der fruchtbare Boden, den die Samen brauchen, um keimen zu können.“5,
weiter wie folgt:
„Eine ethische Haltung des Heranwachsenden zur Umwelt, eine ökologische Handlungskompetenz kann erst dann heranreifen, wenn ein affektiver Zugang zur Natur in den ersten Schuljahren erfahren wurde. Die seelischen Grundlagen für den praktisch-pflegerischen Umgang mit der Natur in der Mittelstufe und für den späteren wissenschaftlichen Umgang in der Oberstufe müssen also erst geschaffen werden.
Aber auch in der wissenschaftlichen Vorgehensweise gibt es Alternativen zur üblichen analytischen Methodik, die die »Dinge« in Teilchen zerlegt und oft den Zusammenhang aus den Augen verliert. Vom Ganzen her auf seine Teile zu schauen, um Wesentliches zu erkennen, darum bemühen sich die Goetheanistische Naturwissenschaft (von Rudolf Steiner wieder entdeckt) und andere ganzheitliche Forschungsansätze der jüngeren Zeit. Solche Alternativen der Welt-Sicht vorzustellen, fällt dem Oberstufen-Unterricht zu.
Die Waldorfpädagogik der Unterstufe sollte ihren affektiv-seelischen Zugang zur Welt mit Selbstbewusstsein vertreten, auch wenn die kognitiv-abstrakten Ansätze zuweilen als bildungspolitisches Allheilmittel und einziges Ziel gepriesen werden.“ 6
Rudolf Steiner hat schon sehr früh erkannt, dass die bedrohlichen Probleme unserer Gegenwart nur auf eine Weise gemeistert werden können: Der Mensch muss durch seine Erziehung so „stark“ gemacht werden, dass er in Verantwortung und Liebe mit der Welt verbunden, furchtfrei handeln kann. Eine wirklich menschengemäße, die natürliche Entwicklung hilfreich begleitende Erziehung ist hier gefordert und um eine solche bemüht sich die Waldorfpädagogik seit nunmehr fast 90 Jahren. Das ökologische Konzept der Waldorfschule setzt an der Menschenbildung an und führt dann zum konkreten Handeln im jeweils eigenen Lebensumfeld. Nicht umsonst nennt Holger Baumann seinen Artikel in der Erziehungskunst
Global denken – lokal handeln
Dr. Gisela Mücke, Dr. Alexander Piecha
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